Neue Westfälische / Lichtenau. Dieser Strom aus der Steckdose kann sogar rein physisch der aus dem benachbarten Windpark Asseln sein. Das Direktmarketing ist deutschlandweit nicht neu – wohl aber die damit verbundene Preisgarantie: Für einen auf zehn Jahre festgeschriebenen Tarif-Preis bietet die Asselner Windkraft GmbH & Co KG (17 Anlagen) ab sofort interessierten Lichtenauern zu 100 Prozent erneuerbare Energie.
„Der konventionelle Strompreis ist so weit angestiegen, dass wir wettbewerbsfähig sind“, sagt Johannes Lackmann, Geschäftsführer der AWK zu einem „früher als erwartet“ erreichten Wettbewerbsvorteil des kostenlosen Windes: „Solch eine dauerhafte Preisgarantie kann nur derjenige geben, der nicht auf Importkosten wie beim Gas oder Öl angewiesen ist.“
Um fünf Prozent unterbietet die AWK schon beim Start den Regel-Tarif des großen Energieversorgers vor Ort: 19,5 statt 20,5 Cent. Möglich wird dies auch, weil für die Direktlieferung in die Nachbarschaft (bis zu vier Kilometer) die Stromsteuer entfällt. „Wer durch die Windkraftanlagen vor der Haustür beeinträchtigt wird, soll auch die Vorteile genießen“, erklärt Thomas Pilgram von der Clean Energy Sourcing GmbH die Argumentation des Erneuerbare-Energien-Gesetzes.
Das Leipziger Unternehmen ist ein wichtiger Partner des Projektes, weil nicht immer Wind weht. Dann liefert die Firma, die ihre Kunden ausschließlich mit grüner Energie beliefert, Ausgleichsstrom.
Das Geschäft von Clean Energy Sourcing ist ein Netz-Management mit dem Leistungsschwankungen ausgeglichen werden. „Man muss im Konzert zusammenarbeiten“, sagt Pilgram als Vorsitzender der Geschäftsführung.
„Der Preis überrascht mich“, kommentiert Lichtenaus Bürgermeister Dieter Merschjohann bei der Vorstellung des Projektes die Zehn-Jahres-Garantie: „Das ist eine hohe Herausforderung.“ Mit den Lichtenauer Stadtwerken habe man ein ähnliches Modell im Hinterkopf, werde aber keine Konkurrenz aufbauen. Lackmann versichert, dass die AWK in der Lage sei, die gesamte Stadt Lichtenau zu versorgen.
Als Erster hat gestern im  Technologiezentrum für Erneuerbare Energien ( TZL) in Lichtenau Bernhard Rüsing, Oberst des Heimatschutzvereins aus Asseln, einen Stromliefer-Vertrag unterzeichnet. „So können sich die Bürger mit dem Windpark identifizieren“, meint dazu auch Asselns Ortsvorsteher Jörg Waltemate und bezeichnet dieses Projekt als einen „großen Schritt“. Auch Karl-Heinz Wange, Geschäftsführer des  TZL, will dieses mit heimischem Strom versorgen lassen: „So bleibt die Wertschöpfung in der Region.“
Johannes Lackmanns Signal: „Wir wollen auch zeigen, dass der Strompreis nicht weiter steigen muss.“

Foto: Johannes Lackmann (Geschäftsführer Asselner Windkraft), Dr. Thomas Pilgram (Clean Energy Sourcing, Leipzig), Oberst Bernhard Rüsing und Ortsvorsteher Jörg Waltemate (v. l.) diskutieren im Windpark. (Foto: KARL FINKE)