Viel Potenzial bei Windernte

130 Zuhörer im Technologiezentrum bei Diskussion der Kreishandwerkerschaft


Lichtenau. Die Menschen mitnehmen auf dem Zug der erneuerbaren Energien, speziell der Windenergieanlagen. Ihn nicht abfahren lassen, ohne dass die Region aufspringen kann. Und die Wertschöpfung nicht in andere Regionen Deutschlands oder der Welt abfließen lassen: Das war das Credo des Informations- und Diskussionsabends zur Zukunft der  Windkraft, zu dem die Kreishandwerkerschaft eingeladen hatte. Rund 130 Zuhörer waren dieser Einladung ins Technologiezentrum Lichtenau (TZL) gefolgt.


„Wie kann die Region von einem weiteren Ausbau profitieren?“, fragte einleitend Gastgeber Peter Gödde mit Blick auf Arbeitsplätze, Steuereinnahmen, Erlöse für Betreiber oder Beteiligungsmöglichkeiten. Zugleich machte er klar, dass das Thema in der Bevölkerung kritisch gesehen werde und mit Angst vor der Verschandelung der Landschaft besetzt sei – weshalb man auf eine rationale Diskussion mit Fakten setze.


Eine Lanze für die  Windkraft brach der Leitende Ministerialrat im NRW-Umweltministerium Dr. Heinz Baues, der die  Windkraft als Wirtschaftsfaktor in überregionalen Kontext setzte. Demnach verdienen 10.000 Menschen in NRW heute ihr Geld mit dem Bau, Betrieb und Service der Anlagen. 21.000 davon gibt es in Deutschland, die mit 26.400 Megawatt Leistung 6,5 Prozent des Strombedarfs decken können.


Die Landesregierung setze sich dafür ein, dass durchschnittlich 2 Prozent der Fläche in NRW für  Windkraftanlagen als Vorranggebiete zur Verfügung gestellt würden, so Baues. Auch sollten nach deren Ansicht Höhenbegrenzungen und pauschale Abstandsregeln gestrichen sowie Anlagen auch in Forstgebieten erlaubt sein. Ziel: „2020 einen Anteil von 15 Prozent an der Stromerzeugung zu erreichen.“ Im Konsens mit Naturschutz und Anwohnern. Repowering sei ein Schwerpunkt. Baues machte deutlich, dass für die Erneuerung einer Anlage oder eine Erweiterung nicht das gesamte Stadtgebiet neu überplant werden müsse.


Johannes Lackmann von der Westfalenwind GmbH, Windenergie-Pionier der ersten Stunde in der Region, stellte sein Bürgerbeteiligungskonzept vor und betonte die Zuverlässigkeit der heutigen Technik. Er rechnete vor, wie die Menschen der Region über Bürgerstiftungen am Erlös profitieren könnten und sprach von der Windernte, mit der man den Ertrag eines Ackers verdoppeln könne. Im Raum Paderborn könne man „ohne den Orten nahe auf die Pelle zu rücken“ mehr als 100 große  Windkraftanlagen bauen, verdeutlichte er das Potenzial. Zehn Prozent des Invests in eine Anlage würden vor Ort bleiben – bei Firmen, die sich um Wegebau, Trafos oder Netzanschluss kümmern. Nicht zu vergessen die Wartung und Instandhaltung. „Im Kreis gibt es schon heute 15 Servicefirmen.“ Hinzu kämen Investitionen der Erträge, die beispielsweise über Fassadendämmung oder Solarinstallationen wieder den Unternehmen zugute kämen.


Für Karl-Heinz Rawert von der Energiegenossenschaft Paderborner Land lässt sich der Zug der erneuerbaren Energien nicht aufhalten – das Thema müsse weiter in die Bürgerschaft getragen werden. Sei es mit Photovoltaik oder  Windkraft. Weil letztere gut planbar seien, gebe es bei den Banken eine hohe Finanzierungsbereitschaft, erklärte der Banker. Reinhard Piepenbrock, Unternehmer und Windmüller aus Bad Wünnenberg, sprach von Fingerspitzengefühl, mit dem man die Potenziale der  Windkraft ernten müsse: „Wenige Anlagen – große Effekte.“ Geld sei dabei nicht das einzige Kriterium: „Es muss auch Hügel geben, auf die ich schauen kann, ohne dass sich dort ein Propeller dreht.“


© 2010 Neue Westfälische
Paderborner Kreiszeitung, Freitag 29. Oktober 2010